Winkelhaken
Kategorien: W, Druckvorstufe, Historisches
Eines der notwendigsten Werkzeuge des Schriftsetzers, um einen regelrechten Satz herstellen zu können. Wir geben nachstehend die Abbildung eines W. und bezeichnen die einzelnen Teile desselben mit Buchstaben, was das bessere Verständnis wesentlich erleichtern wird. Danach besteht der W. aus sechs verschiedenen Teilen, und zwar aus der Grundfläche
a, der Seitenfläche
b, der Kopf- oder Verbindungsfläche
c, welche drei Teile ein fest zusammenhängendes, rechtwinkliges Ganzes bilden, während der Schieber
d, die Schleife oder auch der sogenannte Frosch
e und die Schraube
f jedes für sich einzeln bestehende Gegenstände sind, aber erst in ihrem Zusammenhange mit den Flächen a, b und c den vollständigen W. ausmachen, wie wir denselben in obiger
Fig. A abgebildet finden, und wie er zum Setzen erforderlich ist.
Der Schieber d nebst Frosch e und Schraube f sind beweglich und somit leicht verstellbar, um jede gewünschte Formatbreite der zu setzenden zeilen damit erzeugen zu können. Durch Anziehen der Schraube wird der Schieber befestigt. Die Grundfläche a hat meist eine Breite von 40 - 45 mm, während die Länge dem jeweiligen Bedürfnis entspricht und zwischen 20 - 40 cm schwankt.
Da der in obiger Abbildung ersichtliche Schraubenverschluss des Schiebers unbequem und bei längerem Gebrauch auch unsicher war, so suchte man denselben durch einen anderen zu ersetzen. H. Berthold in Berlin konstruierte einen ihm patentierten Keilverschluss. Derselbe ist schon bedeutend einfacher, indem hier am sogen. Frosch ein in seiner Breite keilartig geformter Hebel befestigt ist, der sich, durch eine Bewegung nach der Rückenwand des W. zu zwischen den Frosch und den Schieber klemmt und so einen sicheren Verschluss vermittelt
Ein solcher besserer Verschluss ist ferner der von E. Reinhardt in Leipzig angewendete Keilverschluss. Bei diesem ist auf dem Schieber
(s. Fig. B) ein verschiebbarer Keil angebracht, in dem sich eine mit dem Hebel versehene Schraube lagert, so dass bei einer Auf- und Niederbewegung des Hebels und demgemässen Verstellung der Schraube dem Keile eine hin- und hergleitende Bewegung vermittelt wird. Der Blechwinkel, der Schieber nebst Keil sind ferner durch einen Bügel umschlossen, welcher dem Schieber nebst seinen Mechanismen ein ungehindertes Gleiten auf dem Blechwinkel gestattet, sobald der Hebel aufgerichtet wurde. Ist hingegen dieser Hebel niedergedrückt, wie beistehende Abbildung veranschaulicht, so wird sich der Schieber durch die Wirkung des Keils nebst Schraube gleichzeitig auf beide Schenkel des Winkels genügend fest und genau anlegen.
Bezüglich des Materials, aus welchem der W. gearbeitet wird, ist zu erwähnen, dass dazu am meisten das Eisen benutzt wird. In neuerer Zeit wird jedoch oft auch Neusilber und Nickelblech zu W. verwendet; auch vernickelt man eiserne W., um ihnen ein eleganteres Äussere zu geben. Das früher vielfach verwendete Messing hat sich als zu wenig widerstandsfähig erwisen. Für einige besondere Zwecke, hauptsächlich für grosse Formate, für Plakate etc. fertigt man auch Holz-W., weil diese für solche Arbeiten eine leichte Handhabung gestatten.
Über das Stellen des W. sei noch folgendes mitgeteilt. In vielen Fällen, namentlich aber bei kompressem Satz ist es ratsam, dass der Setzer zum Stellen auf die betr. Formatbreite die etwa vorhandene stärkste Quadratensorte verwendet, damit er sicher ist, dass in den also gestellten W. jede in der Druckerei vorkommende Sorte von Quadraten, zu Zeilen formiert, bequem hineingeht. Am meisten werden allerdings Ciceroqudraten benutzt, und zwar deshalb, weil Cicero den Normalkegel bildet, nach dem in Deutschland oft noch alle anderen Grade bemessen werden. Man stellt also so viele Konkordanzen, als das Format erfordert, in ihrer Breitseite nebeneinander an die Rückenwand, und zwar in der Richtung der Kopffläche des W., steckt zwischen zwei dieser Quadraten ein Stückchen schwachen karton oder doppelt zusammengelegtes dünnes Papier, drückt von der entgegengesetzten Seite den beweglichen Schieber mit möglichster Kraft gegen diese Quadratenzeile und dreht schliesslich die Schraube fest zu oder befestigt den Schieber durch den Keilverschluss. Das dazwischen geklemmte Stückchen Karton herausgenommen, wird nunmehr die Quadratenzeile sich frei und leicht im W. bewegen können, ohne aber einen merklichen Zwischenraum zu verraten. Der eigentliche Zweck des Stückchen Karton ist damit zu begründen, dass für die zu setzenden Schriftzeilen ein grösserer Spielraum bleiben muss, als für die Quadraten- oder Durchschusszeilen, weil die Schriftzeilen infolge ihrer vielfachen Zusammensetzung aus einzelnen Buchstaben und Spatien elastischer sind und sich daher beim Schliessen der Form eher zusammenschliessen lassen, als die kompakte Masse der Quadraten.
Quelle:
Handbuch der Graphischen Künste und der verwandten Zweige; Leipzig 18845. Juni 2007, 1:51